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Unsere Kundin Charlene Otremba übermittelte uns folgenden Lesetipp:
Rezension „Little Bee“
- Am Anfang glaubt man, man könnte alle Bösen töten und die Welt retten. Dann wird man ein bisschen älter, vielleicht wie Little Bee, und begreift, dass etwas vom Bösen in der Welt in einem selbst steckt, das man ein Teil davon ist. -
Krieg ist immer ein schreckliches Ereignis und der moderne Krieg um Öl ist in manchen Ländern noch schrecklicher, als es unsere Vorstellung erlaubt. Zu sehen, wie eine Horde bewaffneter Männer das eigene Dorf überfällt, in Brand steckt und die Frauen vergewaltigt, ist ein grausames Erlebnis. Solche Überfälle zu überleben ist Glück und Unglück zugleich. Niemals wird man die Bilder vergessen und niemals wird man wieder ein normales Leben führen können.
Little Bee stammt aus Nigeria und hat die beschriebenen Dinge als Kind erlebt. Doch mit 14 Jahren kann sie nur noch an eine weite Flucht denken und schmuggelt sich auf ein Containerschiff, das auf dem Weg nach England ist. Dort angekommen wird sie sofort in ein Abschiebegefängnis gebracht. Das so genannte „Ausreisezentrum Black Hill“ ist für die kommenden zwei Jahre ihre Heimat. Es ist der Ort, an dem sie ihre Erinnerungen einholen. Ein Ort, an dem sie noch schlimmere Geschichten hört und ein Ort voller Demütigungen.
Nach ihrer Entlassung möchte sie sofort zu den einzigen Menschen, die sie in England kennt und die ein Teil ihrer nigerianischen Geschichte sind. Die angekündigte Ankunft von Little Bee bereitet allerdings in der Journalistenfamilie von Sarah und Andrew nicht nur Freude. Es kommt zu dramatischen Ereignissen und tragischen Wendungen.
Chris Cleave erzählt die Geschichte des nigerianischen Mädchens aus zwei Perspektiven. Auf der einen Seite steht Little Bee selbst und beschreibt ihr Leben und ihre Gedanken. Sie berichtet von ihren Bemühungen Englisch zu lernen und ihren Verständigungsproblemen, weil sie die Wörter in einem falschen Zusammenhang benutzte. Sie gibt aber auch den Blick auf ihre Seele frei. Sie spricht über ihre Gefühle und ihre Hoffnungen. Dabei versucht sie ein Verständnis bei dem Leser aufzubauen, indem sie kulturelle Unterschiede zwischen der afrikanischen und der europäischen Welt aufzeigt. Auf der anderen Seite steht die Journalistin Sarah, die in einem englischen Vorort lebt und nicht nur Mutter, sondern auch erfolgreiche Geschäftsfrau ist. Sie erzählt ebenfalls über ihr eigenes Leben, spricht aber auch über Ereignisse, die sie gemeinsam mit Little Bee erlebt hat. Da beide Erzählerinnen in einzelnen Abschnitten über dieselben Erfahrungen sprechen, erhält der Leser ein sehr differenziertes Bild, das kulturelle Unterschiede und daraus entstehende Handlungen nachvollziehbar macht.
Dank der Übersetzerin Susanne Goga-Klingenberg ist der sprachliche Witz erhalten geblieben und die sprachlichen Unterschiede der beiden Protagonistinnen sind noch klar erkennbar. Hier mag der Leser teilweise etwas über die Sprache von Little Bee stolpern. Die wundervollen Gleichnisse und die farbintensiven Beschreibungen heben das aber wieder auf. Teilweise erinnert die Erzählung daher auch an die sehr poetischen Romane aus dem afrikanischen Raum. Zu Sarah passt ihr eher abgeklärter journalistischer Ton, der aber im Verlauf der Geschichte immer mehr Gefühle zulässt. Das ist zu einem großen Teil Little Bee zuzuschreiben und spiegelt die persönliche Entwicklung Sarahs wider.
Fazit: Es handelt sich um einen Roman, der aufrüttelt ohne direkt anzuklagen. Man fühlt mit den handelnden Personen und möchte am liebsten in den Text hineinspringen und die Sache in die Hand nehmen. Gleichzeitig erinnert Chris Cleave an die wichtigen Dinge des Lebens, die sich überall auf der Welt ähneln. Und das alles erfolgt in so einer angenehmen sprachlichen Atmosphäre, dass man dieses Buch unbedingt empfehlen muss.
http://charlene-liest.blogspot.com/
" Der weite Weg nach Hause"
Autorin: Rose Tremain
Roman. Ausgezeichnet mit dem Orange Prize 2008. Erschienen im Verlag Suhrkamp 2009 kartoniert, 490 Seiten, ISBN 978-3-518-46120-4, EUR 14,90
Eine Geschichte von der Trauer um die Vergangenheit und die Schönheit des Neuanfangs.
Lev ist ein Glückssucher: Aus seinem osteuropäischen Dorf ist er nach London aufgebrochen, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Stadt ist ihm fremd - der Rhytmus des Lebens, die Sprache, die Ambitionen der Menschen. In seiner Einsamkeit denkt er zurück an seine geliebte, jung verstorbene Frau Marina, an seine kleine Tochter Maya und an die verrückten Erlebnisse mit seinem besten Freund Rudi. Doch Lev ist entschlossen, sich eine Zukunft zu erkämpfen: Er endeckt ein ungeahntes Talent, er findet Freunde und sogar eine neue Liebe, er schickt Geld nach Hause. Und als ihn von dort schlechte Nachrichten erreichen, hat er eine große, eine abenteuerliche Idee.....
Der neue, preisgekrönte Roman von Rose Tremain ist eine bewegende Geschichte über das Gefühl der Entwurzelung in der Welt von heute. Kraftvoll und klar, voller Menschlichkeit, Herzenswärme und befreiendem Humor erzählt Tremain von einem, der akzeptieren muß, dass bei jedem Aufbruch etwas zurückbleibt.
"Fegefeuer"
Autorin: Sofi Oksanen
Roman. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2010. Erschienen im Verlag Kiepenheuer&Witsch 2010; gebunden, 395 Seiten, ISBN 978-3-462-04234-4, EUR 19,95
Das international gefeierte Meisterwerk über Liebe, Verrat und Angst - vor allem vor der Gewalt der Männer. Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch Äußerstes zu tun im Stande - das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte verbindet.
Als Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, ein Bündel in ihrem Garten findet, das sich als junge Frau entpuppt, schluckt sie ihre Skepsis und Menschenverachtung herunter und nimmt Zara in ihr Haus auf. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie mit brutalster Gewalt zu Willfährigkeit gezwungen haben und ihr schon dicht auf den Fersen sind. Doch Zara sucht keineswegs zu zufällig Unterschlupf bei Aliide, wie diese glaubt: Aliide könnte die Schwester ihrer Großmutter sein. Während Zara noch Beweise für die Verwandschaft sucht und nach einer Möglichkeit, Estland zu verlassen, fühlt sich Aliide von der jungen Frau bedroht: Zu oft musste sie Leib und Seele, Hab und Gut vor Eindringlingen schützen. In Rückblenden entsteht das immer schärfer werdende Bild einer Familientragödie, die fast fünfzig Jahre zuvor, als Estland von den Russen besetzt wurde, ihren Höhepunkt fand. Rivalität und Eifersucht, Scham, Schutzbedürftigkeit und vor allem Angst vor der Brutalität der Männer gegenüber den Frauen - das sind die Motive, die Aliide zu unvorstellbaren Entscheidungen zwangen.
"Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel"
Autor: Moritz Rinke
Roman erschienen im Verlag Kiepenheuer&Witsch 2010 gebunden, 481Seiten, ISBN 978-3-462-04190-3, EUR 19,95
Worpswas? - Worpswede! Moritz Rinke legt ein furioses Romandebüt vor. Stammt das angebissene Stück Butterkuchen im Tiefkühlschrank tatsächlich von Willy Brandt? Kann ein toter Onkel noch ein Kind zeugen? Wurde die schöne Kommunistin Marie von der Gestapo abgeholt oder von der eigenen Familie im Teufelsmoor vergraben? Und wie werden die Seelen der Menschen aufbewahrt? Ausgerechnet als Paul Wendland in Berlin mit seinem Leben und seinen kuriosen Kunstprojekten in die Zukunft starten will, holt ihn die Vergangenheit ein. In Worpswede drohen das geschichtsträchtige Haus seines Großvaters und sein Erbe im Moor zu versinken - samt lebensgroßen Bronzestatuen von Luther über Bismarck bis zu Max Schmeling und Ringo Starr.
Die Reise zurück an den Ort der Kindheit zwischen mörderischem Teufelsmoor, norddeutschem Butterkuchen und traditions-umwitterter Künstlerkolonie nimmt eine verhängnisvolle Wendung. Vergessen geglaubte Familienfragen, aus dem Moor steigende historische Gestalten und die skurrile Begegnung mit einem mysteriösen Vergangenheitsforscher spülen ein ungeheuerliches Geflecht an Lügen und Geheimnissen aus einem ganzen Jahrhundert an die Oberfläche.
Moritz Rinke rührt sanft, aber vollkommen anarchisch und mit einer umwerfenden Tragikomik an die Lebensmotive, die Geschlechter-, Generations- und Identitätskonflikte seiner Figuren und ihre seelischen Abgründe. Er erzählt vom Künstlerleben, von Ruhm, Verführung und Vergänglichkeit und von einem Dorf im Norden, das berühmt ist für seinen Himmel und das flache Land - und überzeugt als raffinierter Komponist einer überschäumenden, irrwitzigen Realität in diesem furiosen Romandebüt.
"Ein fabelhafter Lügner"
Autorin: Susann Pásztor
Roman erscheint bei Kiepenheuer&Witsch lt.Verlag im März 2011, kartoniert, ISBN 978-3-462-04310-5, EUR 7,95
Rezension: "Ein hinreißender Roman über eine Familienzusammenführung dreier Halbgeschwister und eine Feier zum hundertsten Geburtstag des verstorbenen gemeinsamen Vaters, der (vielleicht) in Buchenwald inhaftiert war, sicher aber fünf Kinder von fünf Frauen hatte ..."(Franziska Bickel,Buchhdlg.Vogel, Schweinfurt) "Diesen Roman habe ich mit großer Freude gelesen. Die Protagonisten haben sich sofort in mein Herz geschlichen. Dieses außergewöhnliche Familientreffen ist herzerwärmend. Ich habe beim Lesen laut gelacht und an anderen Stellen blieb mir das Lachen im Halse stecken - aber nur kurz. Dieser Roman erzählt auf bisher nicht gekannte Art unsere Geschichte. Einmalig!" (Ingrid Schwarz, RavensBuch, Ravensburg) "Die charmanteste Art einer Familienzusammenführung, von der ich je gelesen habe. Figuren, in die man sich verliebt. Eine geniale Mischung aus Humor und Gefühlen." (Nicole Deurer, Buchhdlg.Herwig, Heidenheim)
"Eine Frau flieht vor einer Nachricht"
Autor: David Grossman
Roman im Verlag Hanser 2009 erschienen, gebunden, ISBN 978-3-446-23397-3, EUR 24,90
Ora erzählt: von ihrer Liebe zu zwei Männern, von Wut und Zärtlichkeit, Vertweiflung und Leidenschaft und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Seine Mutter hofft, das drohende Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, der im Sechstagekrieg selbst Soldat war, von Ofers Vorhaben berichtet. Und unerreichbar zu sein, falls das Schreckliche geschieht ... Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt die großen Fragen in den kleinen Erlebnissen des Alltags. Er zeigt, wie in Israel das Schicksal der Menschen unauflöslich mit der Politik verbunden ist. Ein mitreißendes, unvergessliches Buch und ein Protest gegen den Krieg.
Rezension: "Meisterhaft erzählt Grossman von Liebe und erotischen Leidenschaften, von Männerfreundschaft und den leisen Nuancen des Alltags in einem von Gewalt und Angst zermürbten Land" (Anat Feinberg, Die Welt, 07.06.09)
"Stadt der Diebe"
Autor: David Benioff
Roman im Verlag Heine 2010 erschienen, kartoniert, ISBN 978-3-453-40715-2, EUR 9,95
David Benioff erzählt die Geschichte seines Großvaters, eines Amerikaners mit russischer Abstammung. Großvater sagt am Ende seines Berichtes, den er auf viele Kassetten gesprochen hat: "Du bist der Schriftsteller, denk Dir was aus". Und das fällt David Benioff nicht schwer.
Die Kulisse für diesen abenteuerlichen Roman liefert Rußland während des 2. Weltkrieges. Leningrad befindet sich kurz vor der Belagerung durch die Deutschen und viele Leningrader haben die Stadt bereits verlassen. In diesen Tagen wird Lew, 17 Jahre, verhaftet, weil er die Leiche eines deutschen Soldaten nach Essbarem durchsucht hat. Auf Plünderung steht die Todesstrafe. Nach einer endlosen Nacht wird Lew mit seinem Mithäftling Kolja zum Geheimdienstchef der Stadt geführt. Dieser stellt ihnen die Aufgabe, im Tausch gegen ihr Leben, innerhalb von sechs Tagen im ausgehungerten Leningrad zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter aufzutreiben.
Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kolja und Lew jagen Gerüchten über Hühnerhaltung hinterher. Dabei geraten sie fast in die Falle eines bärtigen Riesen, der sich und den Schwarzmarkt in diesen außergewöhnlich schwierigen Zeiten auf kannibalische Weise versorgt. Ein anderes Mal finden sie statt einer Schar Hühner einen sterbenden Jungen. Sie entscheiden die Stadt zu verlassen und auf dem Land, hinter den feindlichen Linien, weiter zu suchen. Ein aussichtsloses Unterfangen, wären da nicht Koljas Kaltschnäuzigkeit, eine unerschrockene Partisanin und Lews Schachtalent .....
Lew und Kolja könnten gegensätzlicher nicht sein: Kolja, ein Frauenheld - schlagfertig, charmant und schlitzohrig; Lew, introvertiert und um sein Selbstbewußtsein ringend. Aus einer schicksalhaften Notgemeinschaft entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft, die so "zärtlich" und sensibel beschrieben wird, daß man sich am Ende wünscht, einen Freund wie Kolja zu haben.
Freuen Sie sich auf eine spannende, unterhaltsame, witzige und traurige Geschichte, in der die Gratwanderung zwischen Tragik und Komik leichtfüßig bewältigt wird und die die Grausamkeit des Krieges nicht beschönigt.
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